11.12.2021 - Eine Hernie, auch bekannt als Weichteil- oder Eingeweidebruch, ist ein Austritt von Eingeweiden aus der Bauchhöhle. Hernien bleiben oft lange unbemerkt, sind aber nicht ungefährlich. In welchen Fällen eine Hernie Probleme bereitet, wollen wir von Dr. Irmgard Weindl wissen. Sie ist Viszeralchirurgin im Josephinum.

Was kann bei einer Hernie passieren?

Dr. Weindl: Bei Betroffenen drängen Bauchfell und Organe durch eine schwache Stelle oder eine Lücke in der Bauchwand nach außen. Das Bauchfell – also die "Haut", die den Bauchraum auskleidet – bildet hierbei den sogenannten Bruchsack. Dieser wölbt sich durch eine Bruchlücke vor und kann Teile von Organen enthalten, wie etwa des Darms. Das Wort "Bruch" ist allerdings etwas irreführend. Denn anders als bei einem Knochenbruch entsteht die Erweiterung der Bruchpforte meist nicht plötzlich, sondern häufig über lange Zeit. Außerdem ist auch nicht immer und zeitnah eine Operation notwendig, wie es bei einem gebrochenen Knochen der Fall wäre.

Welche Arten von Hernien gibt es überhaupt?

Dr. Weindl: Hier gibt es viele Krankheitsbilder: Die Leistenhernie ist die mit Abstand häufigste Form einer Hernie. Sie entsteht an einer Schwachstelle oberhalb des Leistenbandes und betrifft vor allem Männer. Oft kommen auch Bauchnabelbrüche vor, in erster Linie bei Säuglingen und übergewichtigen Erwachsenen. Ebenso sehe ich viele Patienten mit Narbenhernien. Diese bilden sich im Bereich einer Operationsnarbe, da die Bauchwand an dieser Stelle geschwächt und deshalb anfälliger für eine Hernie ist. Seltener kommen Oberbauch- und Schenkelhernien vor. Ein Oberbauchbruch, auch epigastrische Hernie genannt, bildet sich durch eine Lücke in der Bauchwand zwischen Brustbein und Bauchnabel. Ein Schenkelbruch zeigt sich am Oberschenkel unterhalb des Leistenbandes und betrifft vorwiegend Frauen.

Wer ist besonders anfällig?

Dr. Weindl: Die Hauptursache ist ein schwaches Bindegewebe. Manche Menschen haben dieses von Geburt an, andere erst in höherem Alter. Auch Krankheit oder eine Operation können Gewebe und Muskeln schwächen. Außerdem steigt bei starkem Übergewicht der Druck im Bauchinnenraum.
Übergewicht lässt jedoch nur das Risiko für Narben- und Nabelbrüche ansteigen, nicht das für Leistenbrüche. Übrigens können auch Tumore oder Wasseransammlungen im Bauch den Druck auf die Bauchwand erhöhen. Schwangere sind ebenfalls anfälliger für Bauchwandbrüche. Rauchen oder Krankheiten wie Diabetes können die Wundheilung stören und dadurch Narbenhernien begünstigen. Für Betroffene wichtig zu wissen: Schweres Heben, Husten oder Pressen vergrößert eine vorhandene Hernie.

Wie stellen Sie die Diagnose?

Dr. Weindl: Hernien sind häufig eine sogenannte Blickdiagnose. Das bedeutet: Sie sind sofort erkennbar. Die Untersuchung erfolgt zunächst im Stehen. Dabei wird der Patient aufgefordert, zu pressen oder zu husten. Im Liegen lässt sich dann prüfen, ob sich der Bruch in den Bauchraum zurückschieben lässt. Manchmal führe ich zur besseren Darstellung zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung durch. Eine Computertomografie oder Kernspintomografie ist nur in Ausnahmefällen nötig.

Ist es eine gute Idee, Hernien unbehandelt zu lassen, wenn sie keine Schmerzen verursachen?

Dr. Weindl: Nein. Die Brüche bleiben dauerhaft bestehen, wenn sie nicht behandelt werden. Betroffene müssen wissen: Ein unbehandelter Bruch kann mit der Zeit größer werden, deutlicher hervortreten und häufiger Beschwerden verursachen. Allerdings kommt es selten zu ernsthaften Komplikationen. Aber: Wenn eine Hernie einklemmt, handelt es sich immer um einen Notfall – und es muss umgehend operiert werden. Klemmt auch der Darm ein, kommt es unter Umständen zu einem Darmverschluss mit heftigen Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Das passiert zum Beispiel bei Schenkelbrüchen häufiger als bei Leistenbrüchen, weil die Bruchpforte enger ist. Sind auch die Blutgefäße abgeklemmt, kann das vorgefallene Gewebe absterben und eine Bauchfellentzündung nach sich ziehen. Immer gilt in diesen Fällen: Sofort einen Arzt aufsuchen!

In welchen Fällen empfehlen Sie eine Operation?

Dr. Weindl: Grundsätzlich bespreche ich die OP-Indikation individuell mit jedem einzelnen Patienten. Es gibt aber auch Fälle, bei denen man von einer OP absieht. Zum Beispiel, wenn jemand sehr alt, schwach oder schwer krank ist und von der Hernie kein akutes Risiko ausgeht. In aller Regel müssen Hernien aber chirurgisch versorgt werden. Bei diesem Eingriff wird der Bruchsack in den Bauchraum zurückgeschoben oder entfernt und gegebenenfalls die Lücke in der Bauchwand mit einer Naht verschlossen. Dabei setze ich meist zusätzlich ein feines Kunststoffnetz ein, um die Bauchwand zu verstärken und einem Rückfall vorzubeugen. In der Regel werden Hernien minimalinvasiv versorgt, man spricht von einer sogenannten Laparoskopie. Dabei setze ich kleine Schnitte, über welche die Kamera und chirurgische Instrumente in den Bauchraum eingeführt werden. Welches OP-Verfahren infrage kommt, hängt unter anderem von Art und Größe des Bruchs sowie vom Patienten selbst ab.

Zeitungsseite als PDF: KW49_Hernien_Dr._Weindl_11.12.2021.pdf

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09.12.2021 - Jedes Jahr werden ca. 14.000 Liter Wasser und 73 Liter Reinigungsmittel im Josephinum für die tägliche Unterhaltsreinigung aufgewendet. Das ist Wasser, welches durch eine Reinigungsumstellung zum Teil eingespart werden kann. Statt der herkömmlichen Nassreinigung, soll der Boden nun trocken gereinigt werden. Doch wie kommt es zu der Idee, die Reinigung umzustellen?

Helene_Jurka_HWL_JOS.JPGMein Name ist Helene Jurka. In der Klinik Josephinum bin ich als Hauswirtschaftsleitung angestellt. Ich besuche derzeit die Landwirtschaftsschule Rosenheim, Abteilung Hauswirtschaft und absolviere dort berufsbegleitend die Ausbildung zur Hauswirtschaftsmeisterin.
Im Rahmen der Abschlussprüfung muss jede Studierende ein Arbeitsprojekt durchführen. So bin ich auf die Idee gekommen, als Projektthema die Unterhaltsreinigung in den Patientenzimmern umzustellen.

Was genau ist diese Trockenreinigung?

Der wesentliche Unterschied zur Nassreinigung ist, dass der Mopp nicht mit einer Reinigungslösung getränkt wird. Die Reinigungskraft verwendet einen speziellen Wischbezug aus Mikrofaser, der den Staub besonders gut bindet. Durch dieses staubbindende Wischverfahren kann lose aufliegender Schmutz problemlos beseitigt werden, z.B. Haare, Staub oder Brösel. Die Reinigungswirkung ist fast noch besser als bei der Nassreinigung. Der einzige Nachteil ist, dass anhaftende Verschmutzungen, wie z.B. Säfte nicht beseitigt werden können. Bei Bedarf wird also auf die Nassreinigung zurückgegriffen. Ob der gesamte Boden oder nur punktuell nass gereinigt wird, entscheidet die Reinigungskraft selbstständig und situationsbedingt.

Kann das in der Praxis überhaupt funktionieren?

Vergleich Nass und TrockenreinigungGanz einfach: Ja. Untersuchungen der Keimbelastung vor und nach der Reinigung zeigen, dass das staubbindende Wischverfahren sehr gut funktionieren kann. Mithilfe von sogenannten Abklatschuntersuchungen, konnte die genaue Keimzahl jeweils vor und nach den beiden Reinigungsverfahren ermittelt werden. Und die Ergebnisse der Trockenreinigung sprechen für sich:

Durch die Trockenreinigung halbiert sich die Keimbelastung, während diese sich bei Nassreinigung verdoppelt.

Neben diesen sehr guten Ergebnissen wurde die Trockenreinigung insgesamt gut angenommen. Sowohl vom Klinikpersonal als auch den Patienten. Jeder Patient hatte bei seiner Entlassung die Möglichkeit, einen Fragebogen auszufüllen und potenzielle Probleme zu schildern. Die Auswertung der Fragebögen hat gezeigt, dass der Großteil der Patienten mit dem Reinigungsergebnis sehr zufrieden war. Auch die Reinigungskräfte, die im Pilotbereich gearbeitet haben, waren äußerst angetan von der neuen Zimmerreinigung.

Auch im Gang wurde die Trockenreinigung erprobt, was die Unfallgefahr durch Ausrutschen erheblich senkte. Das überzeugte auch andere Abteilungen, wie die Physiotherapie. Normalerweise muss die Reinigungskraft immer warten, bis der Patient wieder sicher im Bett liegt, bevor der Boden gereinigt werden kann. Diese Wartezeit fällt jetzt weg, da nach der Reinigung auf dem Boden kein Feuchtfilm mehr ist.

Das Projekt hat gezeigt, dass ein staubbindendes Wischverfahren in einem Krankenhaus gut funktionieren kann und viele Vorteile mit sich bringt. Im Pilotbereich hat es sehr gut funktioniert. Mein weiteres Ziel ist nun, die Reinigung nach und nach auch in den restlichen Patientenbereichen auf ein staubbindendes Wischverfahren umzustellen. Zu berücksichtigen ist, dass es in manchen Bereichen wie, z.B. den Operations-Bereichen oder bei isolierten Patienten nicht funktioniert. Hier ist es zwingend notwendig, dass der Boden desinfiziert wird.  

20.11.2021 - Hat jemand Beschwerden an der Nase, denken die meisten sofort an Schnupfen oder Nasennebenhöhlenentzündungen. Doch nicht nur die Entzündungen sorgen oftmals für Nasenprobleme. Auch durch eine verkrümmte Nasenscheidewand kann es mitunter zu einer beeinträchtigten Nasenatmung bis hin zu ästhetischen Störungen der Nasenform kommen. Welche Bedeutung die Nasenscheidewand gerade für die äußere Nase hat, erläutert Prof. Andreas Riederer, HNO-Facharzt im Josephinum. 

Was sind die Ursachen einer Nasenscheidewandverkrümmung?

Prof. Riederer: Tatsächlich hat jeder Mensch eine leicht gekrümmte Nasenscheidewand – die meisten, ohne dies im Alltag zu merken. Dazu muss man wissen: Die innere und äußere Nase besteht aus knöchernen und knorpeligen Teilen, die noch einige Jahre über die Pubertät hinaus wachsen. Dabei schieben sich die Knochen oder der Knorpel oft über- oder auseinander und die Nasenscheidewand verformt sich dadurch mehr oder weniger.

Welche sichtbaren Folgen hat eine verformte Nasenscheidewand?

Prof. Riederer: Im schlimmsten Fall eine Veränderung der äußeren Nasenform: Eine verkrümmte Nasenscheidewand kann eine Schiefstellung an der äußeren Nase bewirken und dadurch die Ästhetik der Nase beziehungsweise des gesamten Gesichts stören. Bei einer „Schiefnase“ geht die Verkrümmung der Nasenscheidewand zumeist auf die andere Seite. Es gibt hier natürlich noch andere Formveränderungen mit unterschiedlichen optischen Ausprägungen. Ich sehe in meiner Praxis zum Beispiel oft Patienten mit einer hängenden Nasenspitze oder verschieden großen Nasenlöchern. Ursache dafür ist eine verlängerte beziehungsweise verkrümmte untere Nasenscheidewandkante. Häufig sind auch die sogenannte Höckernase oder die Spannungsnase. Betroffene haben dann eine zu hohe Nasenscheidewand.

Wer leidet an einer „Sattelnase“ oder „Schweinchennase“?

Prof. Riederer: Fehlt ein Teil der Nasenscheidewand, fällt der Nasenrücken ein. Dann spricht man von einer sogenannten Sattelnase. Ursachen dafür sind ein Bluterguss in der Nasenscheidewand, der sich entzündet hat oder wenn bei einer Operation zu viel Knorpel entfernt wurde. In diesem Fall kann es auch passieren, dass sich die Nasenspitze anhebt – im Volksmund „Schweinchennase“ genannt.

Wie stellen Sie eine Nasenscheidewandverkrümmung fest?

Prof. Riederer: Dazu gibt es verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten: Bei einer sogenannten Nasenendoskopie untersuche ich das Naseninnere und begutachte die Nasenscheidewand, Nasenmuscheln und seitlichen Nasengänge. Bei einer Rhinomanometrie lässt sich mithilfe einer Atemmaske feststellen, ob Verkrümmungen zu einer Beeinträchtigung der Atmung führen. Ein Bruch, eine Stauchung oder die Verschiebung der knorpeligen und knöchernen Strukturen ist mittels Computertomographie gut darstellbar. Vor einer OP führe ich noch eine Geruchsprüfung durch. Außerdem bewege und taste ich die Nase ab, um nicht sichtbare, schwache und verformte Strukturen zu erkennen. So kann ich unter anderem prüfen, ob eine Abweichung der vorderen Kante der Nasenscheidewand vorliegt.

Welche Operationsmöglichkeiten gibt es zur Begradigung der Nasenscheidewand?

Prof. Riederer: Ich führe zumeist eine sogenannte geschlossene Septorhinoplastik durch. Dieser Eingriff ist für das Gewebe schonend, da weniger Verletzungen oder Vernarbungen verursacht werden. Dabei begradige ich die knöchernen und knorpeligen Teile so weit wie nötig und entferne gegebenenfalls verformte Knochen- oder Knorpelstücke. Durch Knorpel-Transplantate aus der hinteren knorpeligen Nasenscheidewand oder falls nicht mehr vorhanden, aus der Ohrmuschel, können die fehlenden Bereiche der Nasenscheidewand rekonstruiert werden, die zu einer Formveränderung der äußeren Nase geführt haben. Mit Nähten stabilisiere ich die begradigten Regionen und befestige sie an den knöchernen Strukturen der Nase.

Warum ist es so wichtig, sich für eine Nasen-OP in die Hände eines ausgewiesenen Experten zu begeben?

Prof. Riederer: Bei einer Nasen-OP handelt es sich um einen äußerst komplexen Eingriff. Wichtig zu wissen für Patienten: Nur die äußere Nase zu modellieren, ist zu kurz gedacht und für den Betroffenen auch nicht zielführend. Bei fast jeder Operation an der äußeren Nase spielt die Nasenscheidewand eine zentrale Rolle, um ein gutes ästhetisches Ergebnis zu erzielen. Außerdem ist es entscheidend, während der OP die Statik der Nase im Auge zu behalten. Wurde diese bei der OP nicht berücksichtigt, kann das die Nasenform auch später noch negativ verändern. Die Konsequenz ist dann in der Regel ein Folgeeingriff. Aus diesem Grund sollten Nasenoperationen nur von Chirurgen durchgeführt werden, die auch die Techniken der Nasenscheidewandoperation beherrschen.

Zeitungsseite als PDF: KW46_Äußere_Nase_Prof._Riederer_20.11.2021.pdf

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Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Andreas P. Riederer

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Tel: 089 - 74 44 35 78 oder: 089 - 72 77 94 91

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 19.11.2021 - Wegen der vierten Corona-Welle hat die Regierung von Oberbayern aufschiebbare Operationen in Krankenhäusern mit Covid-Schwerpunkt verboten.

Dies betrifft das Josephinum im Moment noch nicht! Wir nehmen weiterhin Patienten mit geplanten Eingriffen auf.

Nach wie vor bieten wir Ihnen selbstverständlich Patientensicherheit auf höchstem Niveau:

  • FFP2-Masken waren und sind natürlich Pflicht, bevor es in die Klinik geht.
  • Schon am Eingang erwartet Sie unsere Security und überprüft, ob Sie einen PCR-Test vorweisen können.
  • Die vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln halten wir in allen Bereichen ein.
  • Wir bitten um Verständnis, dass nach wie vor keine Besucher erlaubt sind.
  • Die akute Patientenaufnahme erfolgt auf einer separaten Station.

Danke für Ihre Mithilfe und für Ihr Verständnis!

21.10.2021 - PD Dr. Andreas Burkart zählt laut tz und Münchner Merkur wieder zu den TOP-Experten in Bezug auf künstliche Gelenke. Er erklärt, warum durch Fast-track eine zügige Rückkehr zu früherer Aktivität gelingt.   

Fast-Track-Methode

Den Patienten helfen, nach dem Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks schnell wieder auf die Beine zu kommen, ist Ziel der sogenannten Fast-Track-Methode. Schon am Tag nach der OP beginnt die Mobilisierung des Gelenks – allerdings mit Augenmaß und unter Berücksichtigung der individuellen Möglichkeiten des jeweiligen Patienten, betont Privatdozent Dr. Andreas Burkart.

Die Vorstellung, dass bei der Fast-Track-Methode alle sofort aus dem Bett gescheucht werden, sei natürlich falsch. Ohnehin müsse ein 80-Jähriger mit Vorerkrankungen anders behandelt werden als ein junger Sportler, erklärt der Orthopäde und Sportmediziner. Für viele bringe die Fast-Track-Methode aber klare Vorteile.

Entscheidende Schritte

Durch die Bewegung verliere die Muskulatur beispielsweise viel weniger an Kraft als das bei langem, passivem Liegen der Fall wäre. Auch Verklebungen werden verhindert. Bereits am OP-Tag könnten die meisten Patienten erstmals am Bett aufstehen oder sich zumindest aufsetzen. Am Tag darauf kommt die Gelenkmobilisierung mit Hilfe von Physiotherapie hinzu. „So spürt der Patient schnell, dass das Gelenk funktioniert und Bewegung wieder möglich ist“, erklärt der Experte. Dies verbessere sich während des Klinikaufenthalts spürbar, was Selbstvertrauen geben und den weiteren Therapieverlauf begünstigen kann.

Am dritten Tag seien die Patienten mit Gehwagen oder -stöcken in der Klinik unterwegs, bevor nach rund einer Woche die Reha beginnt, bei der es weiter vorangeht. Möglich wird Fast-Track auch durch Maßnahmen bei der OP. So werde die Gelenkkapsel bei dieser mit einem langen wirksamen Anästhetikum gegen Schmerzen infiltriert und mit Medikamenten Blutungen während und nach der Operation vermindert. Deshalb könne vielfach auch auf mehrere und vor allem mehrtägige Drainagen verzichtet werden, die den Patienten an der Mobilisierung hindern würden.

Risiken senken

Ein weiterer Vorteil der Fast-Track-Methode sei die geringere Gefahr von postoperativen Komplikationen wie Thrombose, Lungenembolie oder -entzündung. „Deren Risiko sinkt durch die frühe Mobilisierung signifikant“, erklärt Dr. Burkart, dessen Spezialgebiet neben künstlichen Kniegelenken auch die Endoprothetik an der Schulter ist. Schulterpatienten müssten etwas länger warten, bevor sie mit der Mobilisierung beginnen können, erklärt der Experte. Der Grund: Anders als bei Eingriffen am Knie, müssten nach der Gelenkimplantation an der Schulter die Muskeln und Sehnen wieder fixiert werden. Wichtig sei bei allen dieser Eingriffe, den Patienten ausführlich zu informieren und ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Operateur, betont Dr. Burkart. Er selbst nehme sich deshalb viel Zeit und gebe bereits vor der OP-Ratschläge und Tipps an die Hand, was der Patient vor dem Eingriff tun kann, was ihn danach erwartet und inwieweit der Patient selbst zum Erfolg beitragen kann.

Zeitungsseite als PDF: Dr_Burkart_Beitrag_TZ_Merkur_21.10.2021.pdf

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16.10.2021 - Menschen mit Spinalkanalstenose haben einen zu engen Wirbelkanal, der dann die Nerven einklemmt. Schuld daran sind Abnutzungserscheinungen der kleinen Wirbelgelenke und der Bandscheiben im Alter, die durch Bewegungsmangel oder auch Veranlagung entstehen. Die spinale Stenose kann in der Lenden- oder in der Halswirbelsäule auftreten und teilweise massive Beschwerden auslösen. Dazu gehören etwa ausstrahlende Schmerzen in Arme oder Beine, Gangstörungen oder Störungen der Feinmotorik. Von selbst verschwinden die Beschwerden jedoch leider nicht. Wir sprechen darüber mit Prof. Dr. Stefan Zausinger. Der Facharzt für Neurochirurgie im Josephinum weiß, wie Betroffene mit dem medizinischen Krankheitsbild „Spinalkanalstenose“ im Alltag am besten umgehen und wie sie die Beschwerden in den Griff bekommen können.

Welche Sportarten können und dürfen Betroffene machen?

Prof. Zausinger: Sehr charakteristisch für Menschen mit einer Stenose der Lendenwirbelsäule ist zum Beispiel, dass sie problemlos Fahrrad fahren können, jedoch bereits eine deutliche schmerzbedingte Einschränkung ihrer Gehstrecke beklagen. Dennoch gilt: Betroffene sollten sich nicht absichtlich schonen und jede sportliche Betätigung vermeiden. Ich empfehle meinen Patienten im Gegenteil, auf ausreichend Bewegung und Kräftigung der Rumpfmuskulatur zu achten. Günstig sind vor allem Sportarten mit gleichmäßigen, gut dosier- und kontrollierbaren Bewegungen wie eben etwa Radfahren, Walking, Rudern, Schwimmen oder auch Muskelkräftigung im Fitnessstudio. Dagegen sollten Betroffene Sportarten mit schnellen und ruckartigen Bewegungen eher meiden, wie sie bei Ball- und Schlägersportarten häufiger vorkommen.

Wie schläft man bei Spinalkanalstenose richtig, um Rückenschmerzen zu vermeiden?

Prof. Zausinger: Die Wirbelsäule sollte beim Schlafen dieselbe Form einnehmen, wie sie es im aufrechten Stand tut. Die ideale Schlafhaltung bei Spinalkanalstenose an der Halswirbelsäule ist auf dem Rücken liegend oder auf der Seite mit durch ein Spezialkissen unterstütztem Kopf. Am schlechtesten für die Halswirbelsäule ist die Bauchlage. Denn dabei muss sie sich zwangsweise in unnatürlicher Weise verdrehen. Patienten mit Spinalkanalstenose an der Lendenwirbelsäule vermeiden Schmerzen beim Schlafen am besten in Seitenlage mit leicht gebeugten Knien. Denn so liegt die Wirbelsäule automatisch in ihrer natürlichen Krümmung. Grundsätzlich empfehlenswert ist eine möglichst punktelastische Matratze, die die Körperformen vor allem im Bereich der Schultern und des Beckens optimal unterstützt.

Kann und darf man mit Spinalkanalstenose arbeiten?

Prof. Zausinger: Grundsätzlich ja. Wie stark die Beschwerden die Arbeitsfähigkeit des einzelnen Betroffenen einschränken, hängt vom ausgeübten Beruf ab. So kann zum Beispiel eine sehr starke körperliche Belastung, etwa das berufsbedingte Tragen schwerer Gewichte, den Verlauf der Beschwerden beschleunigen. Und wer im Sitzen arbeitet, sollte besonders auf eine rückengerechte Körperhaltung achten. Geeignete Hilfsmittel hierfür sind ergonomische Stühle und Stehpulte. Übrigens: Nach einer Spinalkanalstenose-OP beträgt die Arbeitsunfähigkeit in der Regel vier Wochen bis drei Monate.

Wie helfen Sie als Arzt Ihren Patienten bei einer Spinalkanalstenose?

Prof. Zausinger: Zunächst erfolgt eine gründliche Untersuchung meiner Patienten. Dazu begutachte ich die Form der Wirbelsäule und gegebenenfalls vorhandene Bewegungseinschränkungen. Zudem prüfe ich, ob Schmerzen auftreten, zum Beispiel bei Dehnung der Nerven oder Abklopfen der Wirbel. Laboruntersuchungen und Röntgenaufnahmen sowie Kernspin- oder Computertomografie helfen außerdem dabei, die Lage und das Ausmaß der Spinalkanalstenose zu beurteilen. Wenn keine neurologischen Störungen vorliegen und die Schmerzen des Patienten nicht zu stark sind, ist eine konservative Therapie die beste Behandlungsmöglichkeit. Dazu gehören Physiotherapie, Rückenschule, Wärmetherapie, Schmerzbewältigungstraining und Schmerztherapie. Selten ist eine Operation nötig, um den Spinalkanal zu entlasten.

Wann und wie muss eine Spinalkanalstenose dann doch mal operiert werden?

Prof. Zausinger: Eine Operation wird nur bei einer starken Verengung des Wirbelkanals notwendig. Oder wenn Betroffene trotz konservativer Therapie unter sehr großen Schmerzen leiden beziehungsweise Lähmungserscheinungen oder starke Gefühlsstörungen auftreten. Ziel der Operation ist es, eine dauerhafte Schädigung des Nervensystems zu vermeiden, die Schmerzen deutlich zu lindern, die Geh- und Stehdauer und natürlich dadurch auch die Lebensqualität zu verbessern. Die Operation wird im Regelfall minimalinvasiv unter dem Operationsmikroskop durchgeführt. Das bedeutet: Über einen kleinen Hautschnitt in Höhe der Stenose trage ich die Verdickungen des Band- und Knochengewebes, die das Rückenmark oder die Nervenwurzeln einengen, unter Vollnarkose ab. So vergrößere ich den Innendurchmesser des Spinalkanals und verringere dadurch den Druck auf Nerven oder Rückenmark. Die Erfolgsaussichten der Operation sind gut. Die allermeisten Patienten berichten von einer deutlichen Besserung der Beschwerden. In der Regel können Patienten bereits am Tag nach der Operation aufstehen und das Krankenhaus nach wenigen Tagen schon wieder verlassen.

Zeitungsseite als PDF: KW41_Spinalkanalstenose_Prof._Zausinger_16.10.2021.pdf

Kontakt:

Prof. Dr. med S. Zausinger
Karlsplatz 4
80335 München

Tel: 08941112070
www.neurochirurgie-stachus.de

15.10.2021 - Unsere neue Website bildet nach einem Relaunch unsere Gesundheitsdienstleistungen sowie alle anderen Facetten unserer Klinik für Sie ab. In besserer Übersicht, mit vereinfachter Darstellung und eleganter Anpassung. Ebenso haben wir eine neue Facebook Seite für alle interessierten Patient:innen. Hier veröffentlichen wir künftig Ein- und Ausblicke, die auf unserer Homepage nicht zu finden sind und laden Sie herzlich ein, uns zu abonnieren: https://www.facebook.com/KlinikJosephinum

Sie als Leser:innen erhalten über unsere Kanäle dabei auch Informationen zu unserer Identität und zu unserer Unternehmenskultur.

Wir hoffen, dass Ihnen unsere neue Website samt Facebook gut gefällt und Sie schnell zu den Informationen kommen, die für Sie wichtig sind. Über ein "Like" freuen wir uns natürlich auch ;-) 

Ihr Team aus der Klinik Josephinum im Herzen Münchens

25.09.2021 - Ein akuter und heftiger Schmerz, ein Zerreißgefühl im Knie, in der Folge ein Anschwellen des Knies und Bewegungseinschränkung: „Kreuzbandriss“ ist dann eine wahrscheinliche Diagnose. Die meisten kennen einen Kreuzbandriss nur aus dem Fernsehen, wenn sich Hochleistungssportler diese Verletzung zuziehen. Ist man dann jedoch selbst einmal betroffen, herrscht bei vielen Verunsicherung. Denn um das Kreuzband ranken sich einige Ammenmärchen. Dr. Ralf Linke, ausgewiesener Knie-Spezialist aus dem Josephinum, geht den verbreitetsten Irrtümern auf den Grund.

Ein gerissenes Kreuzband muss immer operiert werden. Richtig oder falsch?

Dr. Linke: Falsch. Ob eine Kreuzband-Operation notwendig ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa vom Ausmaß der Instabilität des Knies, von persönlichen sportlichen Ansprüchen oder von der Vorschädigung des betroffenen Kniegelenkes. Ich bespreche dies mit meinen Patienten immer im Einzelfall. Grundsätzlich gilt: Kindern und Jugendlichen sowie sportlich aktiven Erwachsenen wird eher zur Kreuzbandersatzoperation geraten. Ebenso empfehle ich in der Regel eine OP, wenn Patienten unter anhaltenden Instabilitätsattacken leiden, die sie im Alltag stark einschränken. Das bedeutet, dass ihnen bei alltäglichen Tätigkeiten, zum Beispiel dem Aussteigen aus dem Auto, häufig das Knie wegknickt. Wichtig zu wissen: Auch ohne Kreuzband sind kniegelenksschonende Sportarten wie Joggen und Radfahren meist weiterhin problemlos möglich.

Profi-Fußballspieler stehen meistens schon spätestens 6 Monate nach einer Kreuzband-OP wieder auf dem Platz. So schnell ist jeder wieder fit. Stimmt das?

Dr. Linke: Nein. Betroffene sollten sich besser nicht mit Profi-Sportlern vergleichen und ihrem Körper die gleiche Heilungsleistung abverlangen. Denn Hochleistungssportler gehen mit ganz anderen Grundvoraussetzungen in den Heilungsprozess: Sie sind schon alleine durch ihren körperlichen Zustand und auch durch die Möglichkeit zur Intensiv-Nachbehandlung mit eigenen Physio- und Reha-Therapeuten im Vorteil was den Muskelaufbau und die Wiedererlangung der Koordinationsfähigkeit nach einer OP angeht. Aber selbst bei ihnen gibt es Heilungsfaktoren, die sich nicht beschleunigen lassen. So kann man etwa das Einheilen des Kreuzbandtransplantats nicht beeinflussen. Denn das dauert genauso lange wie etwa bei einem Hobbysportler. Wenn beispielsweise ein Profi-Fußballer trotzdem schon nach sechs Monaten wieder auf dem Platz steht, dann geht er damit unter Umständen ein kalkuliertes Risiko ein.

Wenn ich bei einem gerissenen Kreuzband keine Schmerzen im Alltag habe, muss ich mich auch nicht behandeln lassen. Korrekt?

Dr. Linke: Im Gegenteil: Denn wer einen Schaden nicht vollständig behandelt, riskiert unter Umständen irreparable Spätfolgen. Wichtig ist es deshalb, bei einem Kreuzbandriss gemeinsam mit dem behandelnden Arzt abzuwägen, ob und welche Therapie nötig ist. Entscheidend ist in diesem Fall, inwieweit eine Instabilität des Kniegelenks vorliegt. So kommt es zum Beispiel bei einem vorderem Kreuzbandriss zu einer vermehrten Beweglichkeit des Unterschenkels nach vorne und zu einer Rotationsinstabilität. Wenn diese dauerhaft ist, kann es aufgrund zunehmender Meniskus- und Knorpelschädigung zu einer frühzeitigen Gelenksabnützung kommen (der sogenannten Arthrose). Falls Betroffene unter Instabilitätsattacken leiden, können schwerwiegende Meniskus- und Knorpelverletzungen die Folge einer Nichtbehandlung sein. Auch dies kann wiederum durch die verringerte Stoßdämpferwirkung der geschädigten Strukturen zu frühzeitiger Arthrose führen.

Je schneller sich Patienten nach einer Kreuzband-OP wieder normal belasten, desto besser. Was ist dran?

Dr. Linke: Prinzipiell ist ein rascher Beginn mit Physiotherapie nach einer Kreuzband-Operation tatsächlich von Vorteil. Aber immer gilt: Erst muss das Kreuzbandtransplantat in den Knochenkanälen fest verwachsen. Und das braucht Zeit. Entscheidend ist auch, dass Betroffene die krankengymnastischen Übungen schmerzfrei durchführen können. Nach entsprechender Anleitung durch den Physiotherapeuten können Patienten dies auch selbstständig zu Hause tun. Sportarten, die frühzeitig zum Muskelaufbau geeignet sind, sind etwa Schwimmen und Radfahren. Dagegen sind Stop and Go-Sportarten wie etwa Handball, Fußball oder Squash frühestens nach sechs Monaten wieder erlaubt. Ich empfehle vielen meiner Patienten auch, erst nach neun Monaten zu starten. Denn ein verfrühter Beginn von Stop and Go-Bewegungen kann zu einer Auslockerung des Kreuzbandtransplantats und in der Folge zu einer anhaltenden Instabilität führen. Deshalb ist es grundsätzlich wichtig, eine geplante Rückkehr in den Hobby-Sport immer erst mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.

Zeitungsseite als PDF: KW38_Kreuzbandverletzung_Dr_Linke_25092021.pdf

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Dr. med. R. Linke
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24.08.2021 - Welche Kliniken in Deutschland die zufriedensten Patienten und die höchste Qualität haben, das zeigt eine Studie des F.A.Z.-Instituts. Hier wurde das Josephinum in der Onlineberichterstattung für die Abteilung Orthopädie im Hinblick auf deren hohe Qualität ausgezeichnet.

Die Studie bewertete die Qualität von 2.200 deutschen Krankenhäusern in verschiedenen sachlichen Kriterien. Die Bewertungsgrundlagen waren wie folgt:

  • medizinische und pflegerische Versorgung
  • personelle Besetzung und fachliche Qualifikation von Ärzten und Pflegekräften
  • Kontroll-Tools sowie die Serviceleistungen des Krankenhauses
  • die emotionale Bewertung eines Hauses durch den Patienten selbst (über den TK-Klinikführer, die „Weisse Liste“ sowie das Online-Portal klinikbewertungen.de)

14.08.2021 - Eigentlich sollte ich mal… So oder so ähnlich denken die meisten über die Darmkrebs-Vorsorge – und schieben die Untersuchung dann doch wieder auf die lange Bank. Denn leider gilt Darmkrebs immer noch als Tabuthema und viele scheuen vor der Früherkennungs-Untersuchung zurück. Warum gerade hier die Vorsorge überlebenswichtig sein kann, weiß Prof. Dr. Michael Kasparek. Wir sprechen mit dem Leiter der Viszeralchirurgie am Josephinum über die vermeidbare Volkskrankheit Darmkrebs.

Warum ist die Früherkennung so wichtig?

Prof. Dr. Kasparek: Darmkrebs wird auch oft die „stille Krankheit“ genannt, da lange Zeit keine Symptome auftreten. Wenn Betroffene dann wirklich Beschwerden bemerken, ist der Krebs in der Regel schon ausgebrochen. Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Was viele jedoch nicht wissen: Er lässt sich in den meisten Fällen durch eine rechtzeitige Vorsorgedarmspiegelung – auch Koloskopie genannt – vermeiden, wenn dabei die Krebsvorstufen (die sogenannten Adenome) einfach entfernt werden. Diese Adenome sind in der Regel über viele Jahre gutartig bevor sie zu Krebs entarten. Das bedeutet: Viel Zeit, um die Krebserkrankung zu verhindern. Dazu kommt: Bei kaum einer anderen Krebsart besteht bei der Früherkennung so eine große Chance auf Heilung. Doch nur wer die Vorsorge auch wahrnimmt, hat eine Chance! Viele haben auch Angst vor der Untersuchung selbst und vor dem möglichen Ergebnis. Hier kann ich Betroffene beruhigen: Wenn Sie frühzeitig und regelmäßig zur empfohlenen Darmkrebsvorsorge gehen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei Ihnen ein Krebs diagnostiziert wird, extrem gering. Und selbst wenn Krebs entdeckt wird, dann meist in einem frühen Stadium mit guter Chance auf Heilung.

Wer sollte zur Vorsorgeuntersuchung gehen?

Prof. Dr. Kasparek: Grundsätzlich gilt: Die Wahrscheinlichkeit an Darmkrebs zu erkranken nimmt mit steigendem Alter zu, Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen. Deshalb wird eine Vorsorgekoloskopie bei Männern bereits ab dem 50. Lebensjahr empfohlen. Für Frauen gilt diese Empfehlung erst ab 55 Jahren. Zwischen 50 und 55 Jahren machen Stuhltests auf nicht sichtbare Blutbeimengungen, die von Krebsvorstufen oder auch von Darmkrebs kommen können, Sinn. Diese können jedoch auch schon früher im Leben angewandt werden und sollten, wenn sich Blut nachweisen lässt, immer eine komplette Darmspiegelung nach sich ziehen. Darüber hinaus ist es für Betroffene wichtig, Blutbeimengungen beim Stuhlgang immer durch eine Darmspiegelung abklären zu lassen. Menschen mit Verwandten ersten Grades, die ein Adenom oder Krebs im Dickdarm oder Mastdarm hatten, sollten sich 10 Jahre vor dem Alterszeitpunkt, zu dem bei dem Verwandten das Adenom oder der Darmkrebs nachgewiesen worden ist, einer Darmspiegelung unterziehen.

Wie läuft eine Darmspiegelung ab?

Prof. Dr. Kasparek: Bei der Darmspiegelung untersucht der Arzt den gesamten Dickdarm, Mastdarm und Enddarm sowie den letzten Teil des Dünndarms. Für Patienten wichtig zu wissen: Die Vorbereitung zur Untersuchung ist einfach und kaum zeitaufwendig. Die Untersuchung selbst erfolgt in der Regel ambulant, schmerzfrei und auf Patientenwunsch sogar im Dämmerschlaf. Mit einem Endoskop wird das Innere des Darms betrachtet und die Darmschleimhaut nach Auffälligkeiten untersucht. Während der Koloskopie lässt sich dann gegebenenfalls gleich eine Gewebeprobe entnehmen und bestehende Adenome entfernen und so der Krebsentstehung aus diesen vorbeugen. Die gesamte Darmspiegelung dauert nur etwa 20 Minuten. Seien Sie sich sicher: Diese Untersuchung ist tägliche Routine für Ihren Gastroenterologen und es besteht keinerlei Grund zur Scham.

Darmkrebs im frühen Stadium entdeckt. Wie geht es weiter?

Prof. Dr. Kasparek: Grundsätzlich ist eine interdisziplinäre Planung der Therapie entscheidend für den Behandlungserfolg. Deshalb arbeiten wir eng mit unseren Kollegen der Gastroenterologie, Hämatoonkologie, Radiologie und Strahlentherapie zusammen. Für viele Patienten mit Darmkrebs ist die Operation der wichtigste Behandlungsschritt. Wenn der Tumor vollständig entfernt wird, ist eine dauerhafte Heilung möglich. Bei sehr kleinen Tumoren kann die vollständige Abtragung im Rahmen der Darmspieglung in manchen Fällen bereits ausreichend sein. Bei den etwas größeren Tumoren ist dies technisch häufig nicht möglich. Da hier auch das Risiko für Absiedlungen in den angrenzenden Lymphknoten zunimmt, müssen diese ebenfalls herausgenommen und der betroffene Darmabschnitt komplett entfernt werden. Danach werden die beiden Darmenden wieder miteinander verbunden. Sehr häufig lässt sich dieser Eingriff heute auch minimalinvasiv in der sogenannten Schlüsselloch-Technik durchführen. So sind die Schnitte kleiner und die Patienten erholen sich etwas schneller. Bei größeren Tumoren oder Befall von Lymphknoten kann eine Vor- oder Nachbehandlung mit Chemo- oder Strahlentherapie die Prognose deutlich verbessern. Die meist nur vorübergehende Anlage eines künstlichen Darmausgangs ist nur sehr selten notwendig. Sollte es durch den Tumor zu einem Darmverschluss oder -durchbruch kommen, kann eine Notfalloperation notwendig werden.

Zeitungsseite als PDF: KW32_Darmkrebs_Prof_Kasparek_14082021.pdf

Kontakt:

Prof. Dr. med. Michael Kasparek
Schönfeldstr. 16
80539 München

Tel.: 089 28 67 59 10
www.chirurgie-josephinum.de 

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