07.02.2026 – Es beginnt oft unspektakulär. Ein Druck nach dem Essen. Ein Ziehen im Bauch. Vielleicht nachts. Vielleicht nach etwas Fettigem. Und irgendwann dieser Gedanke: „Irgendwas stimmt da nicht.“ Die Gallenblase ist klein, still und unauffällig – bis sie es nicht mehr ist. Dann kommen die Fragen. Viele. Und fast alle drehen sich um ein zentrales Thema: Was passiert, wenn sie raus muss?
In diesem Artikel sprechen wir mit Frau Dr. Irmgard Weindl über die meist gestellten Fragen im Hinblick auf die Gallenblase und die besten Behandlungsmöglichkeiten.
Ist ein Leben ohne Gallenblase überhaupt möglich?
Dr. Weindl: Ein wichtiger Punkt gleich zu Beginn: Bei einer Operation wird nicht die Galle entfernt, sondern die Gallenblase. Die Leber produziert weiterhin Gallenflüssigkeit und das ein Leben lang. Die Gallenblase ist lediglich ein Speicher. Wenn sie Probleme macht, darf sie gehen. Die Galle aber bleibt.
Viele Betroffene fragen sich „Warum trifft es ausgerechnet mich“?
Dr. Weindl: Eine gute Frage, die mir wichtig ist, denn niemand ist hier schuld. Gallensteine entstehen nicht plötzlich und nicht durch „falsches Verhalten“. Veranlagung, Hormone, Stoffwechsel, Ernährung, Gewichtsveränderungen – meist kommt vieles zusammen. Hier ist man auch nicht alleine. Gallensteine gehören tatsächlich zu den häufigsten Gründen für Bauchbeschwerden.
Kann man Gallensteine nicht einfach wie Nierensteine zertrümmern?
Dr. Weindl: Leider nein. Und das hat gute Gründe. Die Gallensteine liegen in der Gallenblase. Eine Zertrümmerung würde die Ursache nicht beseitigen, sondern neue Probleme schaffen: kleine Steinreste, die in die Gallengänge rutschen können und dann zu erheblichen Schmerzen oder Entzündungen führen. Deshalb gilt heute: nicht zerkleinern, sondern ursächlich behandeln.
Gehen Gallensteine auch wieder von selbst weg?
Dr. Weindl: Sind Gallensteine einmal vorhanden, verschwinden sie nicht mehr zuverlässig. Medikamente helfen nur in sehr seltenen Spezialfällen und oftmals nicht dauerhaft, da sich neue Steine bilden können. Wenn Beschwerden auftreten, ist Abwarten meist keine gute Lösung – sondern verlängert oft nur den Leidensweg.
Wie weiß ich eigentlich, dass es die Galle ist – und nicht der Blinddarm?
Dr. Weindl: Eine sehr wichtige Frage, denn Bauchschmerzen können vieles bedeuten. Typisch für Gallenprobleme sind Schmerzen im rechten Oberbauch, oft nach dem Essen, manchmal mit Ausstrahlung in Rücken oder Schulter. Der Blinddarm sitzt weiter unten und macht sich anders bemerkbar. Durch eine gezielte Untersuchung und Ultraschall lässt sich das in der Regel klar unterscheiden.
Wenn operiert wird, wie läuft das dann ab?
Dr. Weindl: Der heutige Standard ist minimalinvasiv. Das bedeutet 3 bis 4 kleine Schnitte (je ca. 0,5 – 1 cm), eine Videokamera, präzises Arbeiten im sogenannten Schlüssellochverfahren. Die Gallenblase wird vollständig entfernt, die Gallenwege bleiben erhalten. Für die meisten Patient:innen ist der Eingriff gut planbar, schonend und mit kurzer Erholungszeit verbunden.
Wie sieht mein Leben ohne Gallenblase dann aus? Muss ich verzichten?
Dr. Weindl: Viele denken zuerst an Einschränkungen oder Verzicht, was aber absolut nicht der Fall ist. Nach einer kurzen Anpassungsphase können die meisten Menschen wieder ganz normal essen. Ohne Diät, ohne Dauervorsicht. Der Körper passt sich schnell an und spezielle Medikamente sind in der Regel nicht notwendig
Wächst die Gallenblase irgendwann nach?
Dr. Weindl: Nein. Und das ist auch nicht nötig. Der Körper organisiert sich neu – effizient und zuverlässig. Die Galle fließt direkt von der Leber in den Darm. Das funktioniert bei den allermeisten Menschen problemlos.
Warum ist es sinnvoll, sich an ein spezialisiertes Zentrum zu wenden oder eine Zweitmeinung einzuholen?
Dr. Weindl: Gerade bei Gallensteinerkrankungen ist Erfahrung entscheidend. Unsere Abteilung für Viszeralchirurgie ist mit dem FOCUS-Siegel für Gallenblase und Gallenwege ausgezeichnet. Zudem sind sowohl Prof. Kasparek als auch ich von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns als Expert:innen für die ärztliche Zweitmeinung bei Gallensteinleiden zugelassen. Für Patient:innen bedeutet das vor allem eines: Sicherheit. Wir können fundiert einschätzen, ob eine Operation notwendig ist oder ob es sinnvolle Alternativen gibt und erklären die Optionen verständlich und individuell.
Können Betroffene einfach in Ihre Praxis kommen?
Dr. Weindl: Natürlich. Gallenprobleme sind ja wirklich unangenehm. Wenn Sie also unsicher sind, ob Ihre Beschwerden von Gallensteinen kommen, oder wissen möchten, welcher Schritt für Sie sinnvoll ist, dann stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Download der Ratgeberseite: Ratgeberseite KW06_Dr. Weindl Gallensteine
Kontakt Praxis:
MVZ und Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Josephinum
Prof. Dr. med. Michael Kasparek und Dr. med. Irmgard Weindl
Schönfeldstraße 16
80539 München
Telefon 0 89/28 67 59 10
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